Geschichte
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Zu den Nachkommen der vorkolumbianischen Bevölkerung Brasiliens gehören die Arawak und Kariben im Norden, die Tupí-Guaraní an der Ostküste und im Amazonastal, die Ge im Osten und Süden Brasiliens und die Pano im Westen, von denen viele ein halbnomadisches Leben führten. Jagen, Sammeln und Feldbau dienten dem Nahrungserwerb. Gruppen in abgelegenen Gebieten konnten ihre Lebensweise bis in das späte 20. Jahrhundert hinein aufrecht erhalten. Siehe Ureinwohner Amerikas.
[edit] Europäische Entdeckung und erste Besiedlung
Im April 1500 landete der portugiesische Seefahrer Pedro �?lvares Cabral an der Küste des heutigen Brasilien und beanspruchte die umliegende Region formell für die portugiesische Krone. Der italienische Seefahrer Amerigo Vespucci brachte von seiner Entdeckungsreise, die er 1501 für den portugiesischen Hof unternahm, eine Ladung Brasilholz mit, von dem sich der Name Brasilien ableitet. 1530 begann die Kolonisierung Brasiliens. Unter dem ersten Generalgouverneur (1549) wurde die neu gegründete Stadt Salvador, oder Bahia, zur Hauptstadt. Viele Sklaven wurden aus Afrika in die Region verschleppt. São Paulo, im Süden des Landes, wurde 1554 gegründet. Die Franzosen errichteten 1555 an den Ufern der Bucht Rio de Janeiro eine Kolonie. Diese wurde 1560 von den Portugiesen zerstört und 1567 wurde dort die Stadt Rio de Janeiro gegründet.
[edit] Spanische Herrschaft und portugiesische Restauration
Philipp II. von Spanien erbte 1580 die portugiesische Krone. Die Periode der spanischen Herrschaft war geprägt von häufigen Angriffen der Engländer und Holländer, mit denen sich Spanien zu dieser Zeit im Krieg befand, gegen Brasilien. Durch die erfolgreiche Revolte der Portugiesen gegen die spanische Herrschaft 1640 geriet Brasilien wieder unter portugiesische Herrschaft und wurde einem Vizekönig unterstellt. Im frühen 17. Jahrhundert begannen jesuitische Missionare im Amazonastal aktiv zu werden. Bereits vor der Jahrhundertmitte waren Kolonisten aus São Paulo bis zum Oberlauf des Paraná vorgedrungen, um die dort lebenden Bevölkerungsgruppen zu versklaven, wurden dabei mit heftigen Widerstand seitens der Jesuiten konfrontiert, die versuchten, die indigene Bevölkerung gegen Übergriffe zu schützen. Die Jesuiten wurden in ihren erfolgreichen Bemühungen von der Krone unterstützt. Viele Paulistas (Einwohner São Paulos) wurden Goldsucher, nachdem 1693 große Goldvorkommen in der Region des heutigen Minas Gerais entdeckt worden waren. Der anschließende Goldrausch führte Zehntausende portugiesischer Siedler nach Brasilien. Die wirtschaftliche Entwicklung schritt weiter voran, als 1721 Diamanten entdeckt wurden und riesige Kaffee- und Zuckerrohrplantagen errichtet wurden. Der portugiesische Premierminister Marquês de Pombal führte viele Reformen in Brasilien durch. Er befreite die indianischen Sklaven, ermutigte zur Einwanderung, setzte die Steuern herab, lockerte das königliche Monopol für den Außenhandel in Brasilien, zentralisierte den Regierungsapparat und verlagerte 1763 den Regierungssitz von Bahia nach Rio de Janeiro.
[edit] Der portugiesische Hof in Brasilien
Durch die Napoleonischen Kriege nahm die brasilianische Geschichte eine überraschende Wendung. 1807 floh der portugiesische Herrscher, Kronprinz Johannes, mit einem Großteil seines Hofes vor den herannahenden französischen Truppen nach Brasilien (siehe Johannes VI.). Er wählte Rio de Janeiro als Sitz für die königliche, portugiesische Regierung aus, erließ eine Reihe von Reformen und wurde 1816 zu König Johannes VI. gekrönt. Vor der Abreise nach Portugal 1821 ernannte Johannes VI. seinen zweiten Sohn, Peter, zum Regenten von Brasilien. In der Zwischenzeit hatte sich in Portugal scharfe Kritik an den Reformen des Königs breitgemacht, Brasilien sollte wieder Kolonie werden. Peter wurde dazu aufgefordert, nach Europa zurückzukehren. Dies verweigerte er und erklärte statt dessen 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens und ließ sich noch im selben Jahr zum Kaiser von Brasilien wählen.
[edit] Das Kaiserreich Brasilien
Peter I. führte 1825 Brasilien in einen Krieg gegen Argentinien, weil Argentinien eine Rebellion in der Provinz Cisplatine unterstützt hatte. 1827 wurden die Brasilianer entscheidend geschlagen. Durch britische Vermittlung gewann die Provinz Cisplatine ihre Unabhängigkeit und trug von da an den Namen Uruguay. In den Folgejahren kam immer stärkere Opposition gegen Peter I. auf. Im April 1831 dankte er zugunsten Peter II., dem fünf Jahre alten Erbfolger, ab. 1840 verkündete das brasilianische Parlament, daß Peters II. die Volljährigkeit erreicht habe. Während der Herrschaft Peters II., die beinahe ein halbes Jahrhundert dauerte, wuchsen Bevölkerung und Wirtschaft, die inländische Produktion konnte um über 900 Prozent gesteigert werden. Ein umfangreiches Eisenbahnnetz wurde erbaut. Eine breite Bewegung für die Abschaffung der Sklaverei wuchs in Brasilien heran. Die Aufnahme afrikanischer Sklaven im Land wurde 1853 unter Strafe gestellt. Die Gegner der Sklaverei errangen 1871 ihren ersten Sieg, als das Parlament beschloß, die Kinder von versklavten Müttern als freie Bürger zu behandeln. Der Liberalismus verbreitete sich in den nächsten 15 Jahren weit im Land. 1885 wurden alle über 60 jährigen Sklaven befreit. Im Mai 1888 wurden auch alle übrigen Sklaven in den Stand freier Bürger erhoben.
[edit] Die erste Republik
Im November 1889 führte ein Militärputsch unter Führung des Generals Manuel Deodoro da Fonseca zur Abdankung Peters II. Eine Republik wurde ausgerufen, deren provisorische Regierung Fonseca übernahm. Die Trennung von Kirche und Staat und andere republikanische Reformen wurden erlassen. Im Februar 1891 wurde eine Verfassung nach US-amerikanischem Vorbild angenommen, und Brasilien konstituierte sich als Bundesrepublik mit dem offiziellen Titel Vereinigte Staaten von Brasilien. Als erster Präsident der Republik wurde Fonseca gewählt, der das Land schon bald in die Diktatur führte. Er wurde nach einem abermaligen Militärputsch von Floriano Peixoto als Diktator abgelöst.
[edit] Ziviles Leben
Während der Verwaltung durch Präsident Prudente José de Moraes Barros wurde die Verwaltung im Land allmählich wieder hergestellt; er war das erste zivile Regierungsoberhaupt (1894-1898). Unter der Präsidentschaft Manuel Ferraz de Campos Salles (1898-1902), gelang es, die desolate Wirtschaft des Landes wieder in Schwung zu bringen. Durch große Auslandsanleihen bekam Campos Salles die Finanzen in den Griff und dehnte den Handel und Industrie aus. Kaffee- und Kautschukproduktion wuchsen beträchtlich an. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 stieg die Nachfrage auf den Auslandsmärkten nach brasilianischem Kaffee, Kautschuk und Zuckerrohr. Im Oktober 1917 trat Brasilien auf Seite der Alliierten in den Krieg ein. Durch industrielle Einsparungen und Kürzungen im Staatshaushalt versuchte die Regierung die wirtschaftliche Krise von 1922 zu meistern. Die Zeit nach 1924 war von wirtschaftlicher Depression und von sozialen und politischen Unruhen gekennzeichnet, in deren Folge die Armee immer mehr Einfluß gewinnen konnte.
[edit] Vargas' Amtszeit
1930 führte der nationalistische Politiker Getúlio Dorneles Vargas erfolgreich einen Aufstand gegen die Regierung an. Vargas wurde heftig von der brasilianischen Arbeiterbewegung bekämpft. Im November 1935 scheiterten in Pernambuco und Rio de Janeiro kommunistisch angeführte Aufstände. Das Kriegsrecht wurde verhängt, und Vargas wurde vom Kongreß beauftragt per Erlaß zu regieren. Massenverhaftungen politischer Gegner standen an der Tagesordnung. 1937, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, löste Vargas den Kongreß auf und proklamierte eine neue Verfassung, in der sein Amt mit absoluter, diktatorischer Macht ausgestattet wurde. Die Neuorganisation seiner Regierung glich den totalitären Regimen in Italien und Deutschland. Er schaffte alle politischen Parteien ab, verhängte eine Pressezensur und verfügte die Aufhebung des Postgeheimnisses.
[edit] Estado Novo
Die Regierung Vargas, offiziell als Estado Novo (Neuer Staat) proklamiert, blieb im Amt und kündigte eine Volksabstimmung über die neue Staatsordnung an. Ein Termin für die Volksabstimmung wurde jedoch nicht festgelegt. Trotz des totalitären Charakters seines Regimes unterhielt Vargas freundschaftliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten und anderen demokratischen Ländern. An der Seite der Alliierten im 2. Weltkrieg entwickelte das Regime Vargas mit Hilfe der Vereinigten Staaten ein umfassendes Industrieprogramm. Der Schwerpunkt lag auf der Produktion von wichtigem Kriegsmaterial. Die Unzufriedenheit mit der Vargas-Diktatur wuchs jedoch immer mehr. 1945 kündigte Vargas Kongreß- und Präsidentenwahlen an. Allmählich wurden alle wichtigen Einschränkungen politischer Aktivitäten beseitigt. Im April kam es zu einer Amnestie für alle politischen Gefangenen, einschließlich der Kommunisten.
[edit] Regierung Dutra
1945 wurde Vargas durch einen Militärputsch gestürzt. Aus den im Dezember abgehaltenen Nationalwahlen ging der ehemalige Kriegsminister Eurico Gaspar Dutra mit großer Mehrheit als Sieger hervor. 1946 trat eine neue demokratische Verfassung in Kraft. 1947 trat Brasilien dem Rio-Pakt bei.
[edit] Vargas' zweite Präsidentschaft
Im Januar 1951 kehrte Júlio Vargas erneut als Präsident an die Macht zurück, nachdem er die vorangegangenen Wahlen gewinnen konnte. 1952 wurden die Erdölvorkommen verstaatlicht. 1954 wurde Vargas vom Militär zum Rücktritt gezwungen und beging Selbstmord.
[edit] Die Regierungen Kubitschek, Quadros und Goulart
Der ehemalige Gouverneur von Minas Gerais, Juscelino Kubitschek, gewann die Präsidentschaftswahlen im Oktober 1955 und übernahm das Amt im Januar 1956. Ein rascher industrieller Aufschwung wurde durch den Fall des Kaffeepreises auf dem Weltmarkt Mitte und Ende der fünfziger Jahre gebremst. Die Inflation stieg, erneut kam es zu sozialen Unruhen mit Streiks und Aufständen der Arbeiter und Studenten. Jânio da Silva Quadros, der ehemalige Gouverneur von São Paulo, war 1961 für wenige Monate brasilianischer Präsident. Er entwickelte ein strenges Sparprogramm. Nach einer Verfassungsänderung lag die Exekutivgewalt nun in den Händen des Premierministers und des Kabinetts. Goulart übernahm im September 1961 das Amt. Ein Jahr später beschwor Goulart eine Kabinettskrise herauf, denn er forderte einen Volksentscheid, um die Akzeptanz im Volk für eine Rückkehr zur präsidialen Regierungsform festzustellen. Die Volksabstimmung fand statt und ergab eine Zustimmung für die Präsidialregierung. 1964 wurde der sozialreformistische Goulart, der Ölraffinerien verstaatlicht, Besitzer unbenutzter Ländereien enteignet und den Export beschränkt hatte, von der Armee gestürzt und floh nach Uruguay. General Humberto Castelo Branco, Personalchef der Armee, wurde zum Präsidenten gewählt.
[edit] Militärregierung
Das neue Regime unterdrückte die linke Opposition und entzog etwa 300 Personen die politischen Rechte. Ein 1965 verabschiedetes Gesetz schränkte die bürgerlichen Freiheiten ein, sprach der Nationalregierung weitere Machtbefugnisse zu und bestimmte die Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten durch den Kongreß. Der ehemalige Kriegsminister Marshal Artur da Costa e Silva, Kandidat der Regierungspartei ARENA (Aliança Renovadova National; deutsch: Allianz zur nationalen Erneuerung) wurde 1966 zum Präsidenten gewählt. Die Brasilianische Demokratische Bewegung (MDB, Movimento Democrático Brasileiro), die einzige legale Oppositionspartei, weigerte sich aus Protest einen Kandidaten für die Wahl aufzustellen, weil die Regierung alle ernstzunehmenden Gegenkandidaten nicht zugelassen hatte. 1966 gewann die ARENA auch die National- und Parlamentswahlen. Das Jahr 1968 stand im Zeichen von Studentenunruhen und Streiks. Das Militärregime reagierte mit politischen Säuberungsaktionen und Zensur. Im August 1969 wurde Costa entmachtet. Das Militär bestimmte General Emílio Garrastazú Médici zu seinem Nachfolger, der Kongreß wählte ihn zum Präsidenten. Unter Médici wurden die Repressionen verstärkt und in der Folge nahmen die revolutionären Aktivitäten zu. Der römisch-katholische Klerus erhob seine kritische Stimme immer öfter und prangerte die Bedingungen der armen Bevölkerung an. 1974 wurde General Ernest Geisel, Präsident von Petrobras, der staatlichen Ölmonopolgesellschaft, zum brasilianischen Präsidenten gewählt. Zunächst betrieb er eine relativ liberale Politik. Er hob die Zensur auf und gestand den Oppositionsparteien beträchtliche Freiheiten zu. 1976 und 1977 wurden die Kontrollen jedoch wieder verstärkt.
[edit] Wiederherstellung der zivilen Ordnung
1985 wurde Tancredo Neves nach 21 Jahren zum ersten zivilen Präsidenten Brasiliens gewählt. Er starb jedoch vor seinem Amtsantritt, weshalb José Sarney Präsident wurde. Dieser sah sich mit einer außerordentlich hohen Inflation und großen Auslandsschulden konfrontiert und verordnete ein Sparprogramm, mit dem auch eine neue Währungseinheit, der Cruzado, etabliert wurde. In der neuen Verfassung vom Oktober 1988 wurden Direktwahlen verankert. Fernando Collor de Mello von der konservativen nationalen Erneuerungspartei wurde im Dezember 1989 zum Präsidenten gewählt. Seine drastischen Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung (1992 betrug die Inflationsrate 1 132 Prozent) bescherten Brasilien die schlimmste Rezession seit zehn Jahren, und organisierte Korruptionen höhlten seine Popularität schnell aus. 1992 sprach die Abgeordnetenversammlung Collor wegen eines Amtsvergehens das Mißtrauen aus, und Franco wurde als sein Nachfolger vereidigt. Im April 1994 wurde in Abstimmung mit den Gläubigerbanken ein Plan zur Umschuldung und Reduzierung der brasilianischen Auslandsschulden vorgelegt. Finanzminister Henrique Cardoso, ein ehemaliger Soziologieprofessor, wurde 1994 zum neuen Präsidenten gewählt, nachdem es ihm gelungen war, die Hyperinflation einzudämmen. Wirtschaftswachstum und Sozialprogramme haben die explosive soziale Lage etwas entschärft, so daß sich Brasilien einer relativen politischen Stabilität erfreut.
Am 4. Oktober 1998 wurde in Brasilien ein neuer Präsident gewählt. Mit 53,06% der Stimmen gewann bereits mit dem ersten Wahlgang der bisherige Präsident, Fernando Henrique Cardoso, vor seinem wichtigsten Gegner Luis Inácio "Lula" da Silva - von der Arbeiterpartei (PT) - mit 31,71%. Andere Kandidaten blieben relativ unbedeutend. Trotz Wahlpflicht in Brasilien waren 18,7% der Stimmzettel ungültig, Stimmenthaltungen 21,5%. Bei den Gouverneurswahlen waren es sogar über 20% und die Wahlen der Kongreßabgeordneten hatten mit über 40% unkorrekt oder gar nicht ausgefüllten Stimmzetteln einen noch höheren Ausfall. Beobachter der Szene brachten dies in Zusammenhang mit dem schwierigen Wahlprozedere. Dies könnte die vielen Halb- und Analphabeten überfordert haben. Bedeutsam war sicher auch, daß viele Wähler wegen der Korruption und Vetternwirtschaft und mehrfachen Parteiwechsels der Politiker kein Vertrauen mehr aufbrachten. Cardoso gehört der sozialdemokratischen PSDB an. Er bot seinem unterlegenen Konkurrenten konstruktive Zusammenarbeit an. Dieser erklärte, er werde sich mit seiner Partei nicht grundsätzlich gegen den Präsidenten stellen und kündigte insgesamt konsequente Oppositionsarbeit an. Am 1.1.1999 ist der Regierungs- antritt der am 4.10.1998 Gewählten.
Wichtigster Grund für den Sieg Cardosos über da Silva war ein anhaltender wirtschaftlicher Aufschwung durch den "Plano Real", der im Juli 1994 als achte Währungsreform in zehn Jahren vom damaligen Finanzminister Cardoso begonnen wurde. Noch im Monat Juni 1994 war die monatliche Preissteigerungsrate bei ca. 50%; nach der Einführung der neuen Währung Real fiel sie schlagartig auf 7% im Monat Juli und auf unter 1% im September 1994. Im September 1998 lag sie bei 1,17%. Die Brasilianer schöpfen Hoffnung. Mit diesem Vertrauensvorschuß erreichte es Cardoso, daß er klarer Sieger wurde. Die wirtschaftliche Entwicklung hat sich inzwischen tatsächlich stabilisiert und die Vorstellungen des Präsidenten erreichten ein übriges. Jetzt soll die breitangelegte Privatisierungskampagne folgen, die schon so lange zugesagt war; es soll damit durch den Verkauf von Staatseigentum an Private eine Einnahme in einer Höhe zwischen 15 und 50 Mrd. Dollar erreicht werden. So sollen auch die Verkehrsnetze erneuert, das Gesundheits- und Bildungswesen reformiert und andere längst fällige Neuerungen begonnen werden. Die Situation stellt sich als sehr gut dar. Nach der Einführung des Real sind die Börsenkurse erheblich gestiegen und ausländische Investoren entdecken das Land neu. Das Bruttoinlandsprodukt ist 1997 um ca. 4% gestiegen, und aufgrund der Einführung neuer Technologien ist die Produktivität der Industrie in den letzten drei Jahren um rund 36% höher. Dies führte dazu, daß brasilianische Güter konkurrenzfähig wurden und blieben und die Handelsbilanz einen deutlichen Überschuß aufwies. Das Bruttosozialprodukt betrug 12/97 ca. 1 Billion Dollar; damit ist Brasilien die achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Von 1996 bis 1997 gab es in Brasilien 17 Mrd. Dollar ausländische Nettoinvestitionen. Bis September/Oktober 1998 gingen die Devisen- reserven insbesondere wegen der Rußland- und Asienkrise auf einen Betrag von 47 Mrd. Dollar zurück. Die Inflation wird für 1998 mit unter 5% anzusetzen sein und die Arbeitslosigkeit in etwa in der Höhe der zurückliegenden Jahre. Wenn der jetzige Präsident die Inflation mit dem Real auch noch im Griff behalten könnte, erwarten Wirtschaftsexperten sogar Wachstumsraten von etwa 7 bis 8%. Daß damit auch das Land nicht nur für Investoren und ähnliches, sondern auch für Touristen erheblich interessanter wird, ist ein sehr wichtiges Nebenprodukt. Bedeutendster Direktinvestor war 1997 die USA mit 17,3 Mrd. US-Dollar, gefolgt von Deutschland mit 7,5 Mrd., Japan mit 4,8 Mrd. Und Frankreich mit 4,6 Mrd. US-Dollar. Für 1998 erwartet man einen neuen Rekord der ausländischen Direktinverstitionen in Höhe von ca. 19,3 Mrd. US-Dollar. Ein großes Problem sind auch die sehr hohen Leitzinssätze im Lande. Die Staatsverschuldung hat inzwischen die Summe von über 300 Mrd. US-Dollar überschritten.
Zum Bereich der aktuellen Politik gehört auch ein Hinweis auf den strukturellen Aufbau der Staatsorgane. Der Staatsname des Landes ist in seiner Vollform: Föderative Republik Brasilien; Kurzform: Brasilien. Es gilt die Verfassung vom Oktober 1988. Die Staats- und Regierungsform ist die einer Föderativen Republik. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der Staatspräsident. Die Volksvertretung, der Nationalkongreß, besteht aus dem Abgeordnetenhaus mit 509 auf 4 Jahre gewählten Mitgliedern und dem Senat, der aus 75 Mitgliedern besteht. Die wichtigen Parteien des Landes sind die Demokratische Bewegung, die Liberale Front, die Arbeiterpartei, die Sozialdemokraten und die Nationale Erneue- rungspartei.
Die langfristigen Folgen der seit Beginn des Jahres 1999 zu beklagenden Währungskrise Brasiliens - ausgelöst durch ein Moratorium des Gouverneurs von Minas Gerais, des ehemaligen Staatspräsidenten Itamar Franco - sind noch nicht abzusehen. Itamar Franco hatte seine Androhung wahrgemacht, mit dem 1.1.1999 für 90 Tage die Zahlung der Schulden des Staates Minas Gerais an die Union ein- zustellen. Damit begann eine bedrohliche Entwicklung, die noch nicht ab- schließend beurteilt werden kann.
Die Päsidentschaftswahlen am 6.10.2002 ergaben, dass der Kandidat der Arbeiterpartei (PT) Luiz Inaçio „Lula“ da Silva , der bereits zum 4. Mal kandidierte, bei den Stichwahlen am 27.10.2002 auf 61,3% kam und somit gewählt war. Der Gegenkandidat, der von der Wirtschaft favorisierte Regierungskandidat José Serra kam danach auf 29,7 Prozent. Lula gilt vor allem für die arme Bevölkerung als Hoffnungsträger. Mit dem jetzt 56-Jährigen aus Pernambuco wird das größte Land Südamerikas erstmalig von einem Sozialisten regiert. Er hat vor den Wahlen schon angekündigt, den Kurs der Regierung Cardoso in Bezug auf die Wirtschaft fortzusetzen. Im Wahlkampf waren die Hauptthemen: Arbeitslosigkeit, Kriminalität und die gewachsene Kluft zwischen Arm und Reich. Es soll in Zukunft mit einem Bildungs- und Gesundheitsprogramm der Kampf gegen Hunger und Armut aufgenommen werden. Das Programm heißt „Fome Zero“ (Null-Hunger) und wird in den nächsten 5 Jahren etwa 10 Mio. Menschen erfassen. Im Wahlkampf bot Lula auch den Unternehmen und Investoren die Zusammenarbeit an und stellte auch dem Militär die Anhebung des Etats in Aussicht. Damit gelang es ihm offensichtlich, nicht nur die ihm traditionell zugetanen Arbeiter, Gewerkschafter und Arme zu mobilisieren, sondern auch Teile der Wirtschaft und die Streitkräfte wurden angesprochen. Als einzige Partei hatte die PT (Partido dos Trabalhadores) ein überzeugendes Anti-Gewaltkonzept im Wahlprogramm. Die Polizei, die als korrupt im Land bekannt ist, soll reformiert werden. Es soll daneben eine zentrale Sicherheitsbehörde geben und auch begleitende Sozialprogramme. Die Steuern sollen gesenkt, Löhne subventioniert und innerhalb von 4 Jahren 10 Mio. Arbeitsplätze geschaffen werden. Wichtig ist auch die Haushaltsdisziplin, auf die schon Präsident Cardoso (auch auf Weisung des IWF) geachtet hat. Auch über Privatisierungen wird weiter nachgedacht. Die rund 115 Millionen brasilianischen Wähler bestimmten bei dieser Wahl auch den Kongress, die Parlamente der Bundesstaaten und die Gouverneure neu.
Am 1. Januar 2003 hat „LULA" (Luiz Inácio Lula da Silva) das Amt des Präsidenten Brasiliens von Fernando Enrique Cardoso übernommen. Sein Amtseid lautete: „Ich verspreche die Verfassung zu erhalten, verteidigen und durchzuführen, die Gesetze zu befolgen und das Wohlergehen des Volkes durchzuführen, den Bund, die Integrität und Unabhängigkeit Brasiliens zu schützen.“ In seiner Antrittsrede bat der Präsident „Gott um Weisheit zu regieren, Urteilskraft, Mut Entscheidungen zu treffen und ein Herz so groß wie Brasilien, damit er den Alltag eines jeden brasilianischen Bürgers fühlen“ kann. Seine Koalition wird aber im neu gewählten Parlament nur rund 30% der Sitze innehaben. Durch weitere Koalitionen in der ersten Zeit seiner Regierung hat sich die Anzahl der Sitze der Regierungsparteien im Parlament erhöht. Das Programm FOME ZERO ist angelaufen und auch die Renten- Steuerreform sind wie angekündigt jetzt im Herbst 2003 in den parlamentarischen Gremien. Es muss sich herausstellen, was nun daraus wird. Beide Projekte, die Renten- und Steuerreform, waren wichtige Programmpunkte vor der Wahl.
Für die Infos seit dem 04.Oktober 1998 möchten wir uns bei Klaus R.C.Ciesielski bedanken.

